Claus Kolb

IT Projektmanagement


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Ergebnisorientiertes Projektmanagement: Prädiktive und adaptive Planung

September 4, 2014Claus Kolb0 Kommentare

Als IT Projektmanager steht für mich in meinen Einsätzen im Fokus, die für den jeweiligen Kontext richtigen Projektmanagementmethoden effizient im Projekt einzusetzen. „Richtig“ bewerte ich dahingehend, ob sie im konkreten Projekt Ergebnisse liefern. Denn darum geht es in Projekten: Sie sollen Ergebnisse produzieren und die mit dem Projekt verbundenen Ziele erreichen.

Im Gegensatz dazu stehen viele Diskussionen im Internet („Scrum sieht aber vor, dass…“), die sich um die „richtige“ Interpretation und Anwendung agiler Methoden drehen. Hier fehlt mir oftmals „der Zug zum Tor“, d.h. der Fokus auf die konkrete Problemstellung und die Ergebnisse.

In diesem Zusammenhang ist mir das Framework „Disciplined Agile Delivery (DAD)“ aufgefallen. Wie der Name schon sagt, handelt es sich zwar grundsätzlich um ein agiles Prozessframework. Aber DAD betrachtet für jede Projektmanagement-Disziplin (z. B. Projektplanung) verschiedene Kriterien, anhand derer man sich als Projektmanager für eine konkrete Ausprägung entscheiden kann.

Prädiktive und adaptive Planung

Starten möchte ich heute mit der Differenzierung zwischen prädiktiver (voraussagender) und adaptiver Projektplanung. Die folgenden Varianten der prädiktiven Planung werden unterschieden:

  • Detailliert prädiktiv: In Bezug auf ein Projekt bedeutet das, eine möglichst detaillierte Planung am Anfang des Projekts zu machen und einen möglichst detaillierten Projektstrukturplan bzw. eine vollständige Liste von Epics und User Stories zu erzeugen.
  • Leichtgewichtig prädiktiv: Die Planung erfolgt auf der Ebene von Meilensteinen, Iterationen, Releases und externen Abhängigkeiten auf einem höheren Niveau.
  • Keine prädiktive Planung: Es wird auf eine Planung am Anfang des Projektes verzichtet.

Bezüglich der adaptiven Planung, d.h. der Planung während des Projektes, wird wie folgt differenziert:

  • Detailliert adaptiv: Die Planung erfolgt Just-In-Time (JIT) und detailliert auf Taskebene. Die Sprintplanung des Teams bis auf Taskebene ist ein Beispiel für eine solche Planung – aber auch die Anpassung eines detaillierten Projektstrukturplans an neue Erkenntnisse.
  • Leichtgewichtig adaptiv: Die Planung auf JIT-Basis, aber verzichtet auf die Planung von Tasks. Vielmehr werden die Details der Ausführung den Teammitgliedern überlassen.
  • Keine adaptive Planung: Diese Variante kommt (hoffentlich) in der Praxis nicht vor, da sie den vollständigen Verzicht auf die Berücksichtigung neuer Erkenntnisse im Projektverlauf bedeuten würde.
Wasserfall

Die Planung in Wasserfallprojekten, die eine vollständige Planung am Anfang des Projektes anstrebt, ist detailliert prädiktiv. Neue Erkenntnisse in Form von Abweichungen vom Plan bzw. Change Requests führen zu einer detaillierten adaptiven Planung. Das Ziel ist es, während des gesamten Projektes einen detaillierten und vollständigen Überblick über die Planung der Arbeitspakete zu haben.

Scrum in nicht-explorativen Projekten

Um mein Verständnis einer Planung in Scrum zu vermitteln, muss ich zuerst beschreiben, auf welche Art von Scrum-Projekten ich mich beziehe: Ich meine Scrum-Projekte, die keinen Forschungscharakter haben, sondern deren Epics (fast) vollständig und (falls gewünscht) auch die wichtigsten User Stories im Voraus identifiziert werden könn(t)en. Eine Reaktion auf Änderungen im Zeitablauf ist erforderlich, aber es stehen andere Ziele mit dem Einsatz von Scrum im Vordergrund (z.B. die frühzeitige Auslieferung von Ergebnissen, nutzenorientierte Verteilung eines festen Budgets). Meiner Erfahrung nach ist das der Löwenanteil aller Projekte in der Praxis.

Die Planung erfolgt in dieser Projektart leichtgewichtig prädiktiv. D.h. der agile Releaseplan verteilt die Epics auf die Sprints und Releases des Gesamtprojekts. Der Projektmeilensteinplan nennt Termine für wichtige Zwischenergebnisse bzw. Synchronisationspunkte mit anderen Organisationseinheiten. Die adaptive Planung erfolgt leichtgewichtig oder detailliert in der Sprint-Planung. Die konkrete Variante ist davon abhängig, ob das Team mit Tasks arbeitet oder lediglich mit User Stories. Darüber hinaus wird der Releaseplan regelmäßig aktualisiert.

Fazit

Wie oben zu sehen, ist die Auswahl einer Planungsvariante in Scrum immer vom konkreten Projekt abhängig. Und darum geht es für mich in der Praxis: Pragmatische und ergebnisorientierte Anwendung von Methoden in den Disziplinen des Projektmanagements.


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