Claus Kolb

IT Projektmanagement


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Projektmanagement 2.0 (Teil 4): Der abgeschaffte Projektleiter

Juli 22, 2014Claus Kolb0 Kommentare

In den Teilen 2 und 3 dieser Blogartikelserie habe ich beschrieben, welche Projektmanagementaufgaben ein agiler Projektleiter in einem Scrum-Umfeld übernehmen kann. Aber was passiert, wenn ich den klassischen Projektleiter abschaffe? Welche Scrum-Rolle übernimmt welche Projektmanagementaufgaben? Genau diese organisatorische Variante wird in vielen Scrum-Büchern empfohlen, aber nur wenig im Detail erläutert. Anhand der im letzten Blogartikel dargestellten Aufgabenliste möchte ich eine mögliche Aufteilung aufzeigen.

Die folgende Tabelle fasst zusammen, wie diese Variante in Bezug auf die Projektmanagementaufgaben aussehen kann.

Tabelle 1: Aufgabenverteilung ohne Projektleiter

Tabelle 1: Aufgabenverteilung ohne Projektleiter

Der Product/Project Owner

Wie in der o.g. Tabelle ersichtlich, übernimmt der Product Owner sämtliche Projektmanagementaufgaben des Projektleiters. Auch wenn einzelne Aufgaben sicherlich ebenfalls vom Scrum Master übernommen werden könnten, verbleibt aus meiner Sicht ein Großteil der Aufgaben immer beim Product Owner.

Damit zeichnet der Product Owner nicht nur verantwortlich für das Produkt, sondern leitet darüber hinaus ein oder mehrere Projekte. Die Integration dieser unterschiedlichen Perspektiven in einer Person beinhaltet Konfliktpotential, da das Ziel, ein optimales Produkt zu entwickeln nicht mit (kurzfristigen) Projektzielen übereinstimmen muss.

In der hier zugrunde gelegten Projektorganisation arbeiten einzelne Bereiche agil und andere nicht. Die Koordination der agilen und nicht-agilen Unternehmensteile sowie die Abstimmung mit externen Partnern werden nun durch den Product Owner übernommen. Mit dem Kommunikations- und Berichtswesen übernimmt der Product Owner eine weitere Aufgabe, die dazu dient, die „agile Insel“ in das Gesamtunternehmen zu integrieren.

Neben der Sprint- und Releaseplanung übernimmt der Product Owner zusätzlich die Meilensteinplanung des Projekts sowie die Gesamtprojektplanung und Mitarbeitereinsatzplanung für nicht-agile Unternehmensteile. Diese Planungen werden von ihm im Rahmen des Projektcontrollings überwacht.

Ohne auf die verbleibenden Projektmanagementaufgaben im Detail einzugehen, sehe ich die Vielzahl der Aufgaben des Product Owners und insbesondere die gleichzeitige Produkt- und Projektperspektive kritisch. Meiner Erfahrung nach stellt der Product Owner in einer solchen Projektorganisation schnell den Engpass dar, da er mit seinen Aufgaben überlastet ist.

Scrum Master

Wie in der Projektorganisation mit agilem Projektleiter übernimmt der Scrum Master weiterhin einige Projektmanagementaufgaben (s. Teil 2 und 3 dieser Serie), aber erhält keinerlei zusätzliche Aufgaben dieses Bereichs. Die konkrete Aufgabenverteilung kann in der Praxis selbstverständlich anders aussehen. Bspw. übernehme ich in meiner derzeitigen Tätigkeit als Scrum Master die terminliche Sprint- und Releaseplanung, um den Product Owner zu entlasten.

Rollenverteilung ohne agilen Projektleiter

Die nachfolgende Abbildung fasst zusammen, welche Scrum-Rolle die Rollen des klassischen Projektleiters übernimmt. Die Rolle des Projektleiters wird zwischen dem Scrum Master und dem Product Owner geteilt, aber der Product Owner übernimmt einen Großteil der Projektmanagementaufgaben. Das Team verantwortet alleinig die technische Expertise und die Softwareentwicklung. Der Product Owner kümmert sich um das Requirements Engineering.

Abbildung 1: Rollenzuordnung

Abbildung 1: Rollenzuordnung

Rollentransition

Bei der Einführung von Scrum ohne agile Projektleiter, stellt sich die Frage, welche Rolle klassische Projektleiter zukünftig übernehmen. Anhand der vorangehenden Betrachtungen ist (für mich) naheliegend, dass der Projektleiter die Rolle des Product Owners wahrnimmt.

Damit konzentriert er sich auf die Rollen des Requirements Engineers und des Projektleiters der klassischen Position des Projektleiters (s. Teil 1). Natürlich verändert sich die Zusammenarbeit mit dem Team, da insbesondere eine direkte Zuweisung und Kontrolle von Arbeitspaketen durch den Sprintplanungs- und –reviewzyklus ersetzt wird.

Eine Übernahme der Rolle des Scrum Masters stellt für den klassischen Projektleiter eine starke Umstellung dar, da er sich in Zukunft als Prozessgestalter und unterstützende Führungskraft verstehen sollte.

Aber auch die Rolle als Entwickler im Development Team stellt für (technische) Projektleiter, die sich vorher auf die Rollen Technischer Experte und Softwareentwickler konzentriert haben, eine mögliche Alternative dar.

Fazit

Unabhängig davon, ob es einen agilen Projektleiter gibt oder nicht: Wir müssen bei der Einführung von Scrum bewusst überlegen, welche Scrum-Rolle welche Projektmanagementaufgabe übernimmt. Unterbleibt dieser Schritt, so manifestiert sich in der Praxis oft der Eindruck, dass „irgendwas“ fehlt. Diese Artikelserie hat aufgezeigt, an welche Aufgaben bei der Einführung von Scrum zu denken ist und ein mögliche Aufgabenverteilung vorgestellt.

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